Faszination Erde – Japan | Ganze Folge Terra X mit Dirk Steffens
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* Titelmusik * Eisige Welten und karibische Strände. Urkräfte schaffen Gefahren
und “Wellness-Oasen”. Reich an Natur und Kultur. Ein Leben
zwischen Tradition und Moderne. * Musik * Japan besteht aus fast 7000 Inseln,
und nur 400 davon sind bewohnt. Viel Platz für wilde Natur. Und es gibt märchenhafte Orte,
die kein Mensch je betreten hat. Kleine Paradiese. Wie Yakushima, eine Insel
am südlichen Zipfel Japans. Jahrtausendelang konnte sich
die Natur hier frei entfalten. Es ist ein märchenhafter Ort. Ein Urwald mit Zedern,
die viele tausend Jahre alt sind. Doch sie sind nicht der Grund, warum
die Insel plötzlich berühmt wurde. Auch die einzigartige Pflanzenwelt
von subtropisch in den Tälern bis arktisch auf den Gipfeln
ist nicht der Grund dafür, dass jährlich mehr als 300.000
Menschen in diese Wildnis pilgern. Sie alle suchen
nach Spuren eines Wesens, das hier seinen Ursprung haben soll. “In diesem verwunschenen Wald
auf der Insel Yakushima lebt Japans bekanntestes Fabelwesen:
Prinzessin Mononoke. Und die kennt hier nun jedes Kind. Zwischen diesen Bäumen hat Mononoke
schon unzählige Abenteuer bestanden. Immer auf der Seite des Guten. Genau genommen
ist sie keine Märchen-, sondern eher eine Comicfigur. Und so groß die Verehrung für
diesen Wald und die Natur auch ist: Wenn die Japaner Städte bauen,
machen sie das kompromisslos.” * Musik * “Das Gedränge in Tokio
ist manchmal wirklich unerträglich. Die Bevölkerungsdichte ist ungefähr
doppelt so hoch wie in Berlin. Das hier ist
die größte Metropole auf der Erde. Ungefähr 38 Millionen Menschen leben
hier dicht an dicht nebeneinander.” In Tokio leben so viele Menschen
wie in ganz Kanada. Und das auf einer Fläche nicht mal
halb so groß wie Brandenburg. Eingeschlossen
in einem Meer aus Beton. Die Japaner bleiben ruhig
im Großstadtdschungel. In einer Stadt,
die niemals stillsteht. Das U-Bahn-Netz ist
das meistgenutzte der Welt. Acht Millionen Fahrgäste
jeden Tag. Das funktioniert nur
mit japanischer Disziplin. Niemand drängelt, keiner schubst. * Musik * Doch tief in sich
haben die Tokioter eine Sehnsucht, die sie in ihrer Stadt
nicht stillen können. “Montagmorgen 6 Uhr früh. Jetzt ist am Lieblingsstrand
der Großstädter noch Platz.” * Begrüßung auf Japanisch * “Der gestresste Tokioter
oder die Tokioterin kommt dann gerne hier raus
nach Chiba an den Strand. Zum Muscheln sammeln. Das mach ich zu Hause an der Ostsee
auch ganz gern, das entspannt. Auf diesem kleinen Strandabschnitt
hier versammeln sich allerdings an manchen Tagen
viele hundert Menschen. Um gemeinsam
nach Muscheln zu suchen. Da gibt’s dann hier bei Ebbe ein
ganz schönes Gedränge an der Küste. Dann gibt’s noch einen großen
Unterschied zu Schleswig-Holstein: Die Muscheln aus der Ostsee
kommen aus der Ostsee. Aber die Muscheln hier,
die kommen aus China. Dort werden die Muscheln gesammelt,
über das Meer geschippert. Und in Japan in Kühllastern
zum Strand transportiert. Wo sie maschinell alle paar Tage
ganz gleichmäßig am Strand verteilt werden,
damit auch jeder was finden kann. Am Wochenende ist es am Strand
genauso eng wie in der Stadt. Das Ganze ist also bloß
ein Fake-Naturerlebnis. Und Eintritt bezahlen
muss man dafür auch noch. Aber es ist immer noch besser,
als gar nicht rauszukommen. In Japan ist Siedlungsraum knapp. Und die Bevölkerungsdichte an
der Küste ist ganz besonders hoch.” Doch warum lebt jeder vierte Japaner
im Großraum Tokio? Warum drängen sich
die Menschen hier so? Die Natur hat dem Menschen in Japan
klare Grenzen gesetzt. Das Kanto-Gebiet mit dem Ballungsraum
Tokio ist die größte Ebene Japans. Nur hier konnte sich
eine solche Megacity entwickeln. Im Osten liegt das Meer mit der Tokio
Bay, im Westen liegen die Berge. Unmittelbar hinter der Stadt erheben sich die Gipfel
der japanischen Alpen. Die schroffen Hänge
eignen sich nicht für eine Bebauung. Mensch und Natur
scheinen streng getrennt. Vielleicht wird gerade deshalb die Natur in Religion und Kultur
besonders verehrt. Alle Lebewesen
haben eine mythische Bedeutung. * Musik * Ihren Höhepunkt erlebt sie
in der Verehrung der Kirschblüte. Sie hat eine mehr
als 2000 Jahre lange Tradition. Wochenlang sind die Nachrichten
des Landes davon bestimmt, in welcher Region gerade
die Kirschblüte einsetzt. Das ganze Land scheint dann
wie berauscht von “Sakura”. Der Zeit der Kirschblüte. * ruhige japanische Musik-Klänge * Die Schönheit der Kirschblüte als Symbol
für die Göttlichkeit der Natur. In dieser Zeit
ruht das “Moderne Japan”. Man besinnt sich auf Werte
wie Familie und Freundschaft. Alt und Jung feiern zusammen. Denn nichts hat in Japan
so viele unterschiedliche Bedeutungen wie die Kirschblüte. * ruhige japanische Musik-Klänge * “Es gibt im Japanischen
sogar ein eigenes Wort für die Tätigkeit des
Kirschblüten-Betrachtens: Hanami. Und wer Hamami macht, der denkt
an Reinheit, Schönheit, Harmonie. Oder Vergänglichkeit. Für die Samurai z.B. symbolisierte
ein herabfallendes Blütenblatt die Leichtigkeit des Todes.” Ihre Ehre galt ihnen mehr
als das eigene Leben. Ihre Aufgabe:
Land und Herrscher verteidigen. Die Samurai hatten klare Regeln
auf ihrem “Bushido”: Dem Lebensweg des Kriegers. Erfolgreich verteidigen sie
mehr als 200 Jahre das Land gegen die Einmischung des Westens. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts
drängen die Amerikaner ins Land. Vor die Wahl gestellt:
Handel oder Krieg entstehen unter zähem Ringen
die ersten Handelsverträge. Für Japan heißt das: Industrialisierung und
Modernisierung im Eiltempo. Und das alte, traditionelle Japan
mit seinem Herrscher verliert mehr und mehr an Bedeutung. * Musik * 1877 revoltieren
mehr als 40.000 Samurai unter der Führung
des berühmten Saigo Takamori. Ihre Rechte waren von der Regierung
immer weiter beschnitten worden. Nicht einmal ihre Schwerter
durften sie noch tragen. Deshalb zogen sie in die Schlacht
gegen ihr eigenes Land. * dramatische Musik * Sechs Monate lang kämpfen sie
für die Tradition. Mit ihren Schwertern
gegen moderne Artillerie. Die Samurai sind
gnadenlos unterlegen. Nur wenige überleben diese Gemetzel. Und ziehen
in eine letzte Schlacht. * Schüsse * Bis zum Schluss zeigen sie
keine Schwäche oder Angst. Als ihr Anführer Saigo –
“Der letzte Samurai” – verletzt wird, soll er, der Legende nach,
“Seppuko” begangen haben: Den rituellen Selbstmord. Leicht wie eine Kirschblüte,
die vom Baum fällt. Sterben für den Erhalt der Tradition. Ihr Ehrbegriff ist tief
in der Gesellschaft verankert. Traditionen stehen
nicht im Kontrast zur Moderne. Was zählt sind der Mythos und
die Schönheit hinter den Dingen. Selbst die einer
sehr gefährlichen Seite. Der Vulkan Fuji
gilt als heiliger Berg. Er ist der bekannteste Vulkan Japans. Doch es gibt noch 264 weitere. * Trommel-Schläge * Wie an einer Perlenkette
reihen sich die Vulkane aneinander. Sie sind ein Teil des pazifischen
Vulkangürtels: der ring of fire. Einer der aktivsten Vulkane
des gesamten Feuerrings liegt am südlichen Ende
der japanischen Insel Kyushu. * Hubschrauber-Geräusche * “Das da unten ist der Sakurajima. Und wie man sieht ist das
ein wirklich wütender Vulkan. Seit 60 Jahren grummelt er
ununterbrochen vor sich hin. Tausend Eruptionen pro Jahr,
Wahnsinn. Aber so richtig heftig geknallt
hat es hier das letzte Mal vor ungefähr einem Jahrhundert. Damals ist auch eine Landbrücke
bis zum Festland entstanden. Vor diesem gewaltigen Ausbruch
war der Sakurajima eine Insel.” Nur acht Kilometer entfernt vom
Kraterrand liegt die Stadt Kagoshima. Dort ist die Gefahr allgegenwertig. * Musik * Der Vulkan bestimmt den Alltag
der 500.000 Bewohner. Immer wieder ziehen Aschewolken über
die Stadt und verdunkeln den Tag. Für Kinder gehört ein Helm
gegen fliegende Lavabrocken zur Standardausrüstung. Zur Sicherheit machen sich Schüler
eines Stadtviertels gemeinsam auf den Weg. Und noch etwas ist dem
nahen Feuerberg geschuldet: Die morgendliche Aufgabe, den
Schulhof von Vulkanasche zu reinigen. Das Land ist stetig durch seine
110 zurzeit aktiven Vulkane bedroht. Doch es gibt kein Volk auf der Welt,
das es so sehr versteht, die geologischen Kräfte auch
für sein “Wohlbefinden” zu nutzen. * Musik * “Diese Strandsauna
funktioniert ganz anders als die bei uns
an der Nord- oder Ostsee. Ich liege nämlich genau oberhalb
der Magmakammer des Sakurajima. Und das Magma
erwärmt das Grundwasser. Und das Grundwasser verdunstet dann
durch diesen Sand nach oben. Deshalb ist es hier in diesem
Teilzeitgrab ungefähr 50 Grad heiß. Vulkanismus kann auch Spaß machen.” * Musik * Auch manche tierischen Bewohner
Japans haben die Vorzüge der geologischen Kräfte
für sich entdeckt. Ein Japan-Makaken-Clan
auf der Hauptinsel Honshu genießt die heißen Quellen. Eine Leidenschaft, die ihren Ursprung
einem Missgeschick verdankt. Vor etwa 50 Jahren plumpste ein
Weibchen auf der Suche nach Nahrung ins 40 Grad heiße Wasser und blieb. Die Mitglieder ihres Clans
ahmten sie nach. Und entwickelten über die
Generationen besondere Fähigkeiten: Sie können sogar tauchen
und die Luft anhalten. Ein Verhalten, das weltweit nur bei
diesem Affenclan zu beobachten ist. Im Pool haben die Weibchen das Sagen. Die Japan-Makaken
leben im Matriarchat. Wer nicht zu diesem besonderen Clan
gehört, muss draußen bleiben. * Musik * Die Affen, die hier leben, gehören zu der nördlichsten Affenart
der Welt. Wie kommt es, dass sie unter diesen
klimatischen Bedingungen ausharren? Gentests haben gezeigt: Die nächsten Verwandten
der Japan-Makaken auf Honshu sind die Langschwanz-Makaken
in China. Wie kamen die Vorfahren
übers Meer bis hierher? Ins Inselreich von Japan? Die Erklärung dafür
liegt in der Vergangenheit. “Japan ist ein Inselreich.
Aber das war nicht immer so. Vor ungefähr 500.000 Jahren
gab es eine große Eiszeit. Damals sank der Meeresspiegel
stark ab. Es entstanden Landverbindungen
zum asiatischen Kontinent. Und über so eine Landbrücke
im Süden Japans sind damals die Affen eingewandert. Als die Eiszeit dann zu Ende ging,
der Meeresspiegel wieder anstieg, waren die Affen in Japan gefangen. Und sie hatten dann nur noch
zwei Möglichkeiten: Aussterben oder anpassen.” Die Makaken hatten es schwer
in ihrer neuen Heimat. Denn das Klima änderte
sich allmählich. Es wurde sehr kalt. Über Generationen wurde ihr Fell
im Vergleich mit dem der chinesischen Verwandten dichter
und ihr Körper größer. Zudem ging
der lange Schwanz verloren. So kühlt der Körper
nicht so schnell aus. Die Schneeaffen leben heute
in den japanischen Alpen. Mitten in dieser Bergkette, die sich
über die Hauptinsel Honshu zieht, liegt der Tateyama. Er gehört zu den
drei heiligen Bergen Japans. In seinem Gipfel sahen einst Pilger
den Zugang zum Himmel. “Jeder Mensch sollte einmal im Leben
auf den Tateyama pilgern, hieß es früher. Aber das ist im Winter
gar nicht so einfach. Denn in Sachen Schnee
hält Japan alle Weltrekorde. Hier im Yukiguni fallen pro Jahr
30 bis 38 Meter. Genau, richtig gehört:
38 Meter, nicht Zentimeter. Wenn die Leute
hier Schneeräumen sagen, dann holen die keine Schaufel raus,
sondern Bagger und GPS-Geräte. Um zu wissen, wo die Straßen vor
dem Schneefall langgelaufen sind. Wenn sie das rausgefunden haben,
dann fräsen sie Stück für Stück neue Straßenschluchten
in die Schneeberge. Die Schneewände sind an einigen
Stellen über 20 Meter hoch. Menschen aus der ganzen Welt strömen
ins Schneeland, nur um das zu sehen. Es sind jedes Jahr Hunderttausende.” Woher kommen in einer Region,
die auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise Tunesien liegt,
solche Schneemassen? Ausgerechnet
der trockene Kontinent Australien ist für das Schicksal Japans
verantwortlich. Als sich einst Australien
nach Norden schiebt, muss die warme Meeresströmung
ausweichen. Und erreicht seither Japan. Dort sorgt sie für viel Wärme
und Feuchtigkeit in der Luft. Sie steigt auf und zieht dadurch
arktische Luft aus Sibirien nach Japan. Diese Umwälzungen sind der Antrieb
einer gigantischen Wetterküche. Eine Art Schneemaschine entsteht. Auf der nördlichsten der großen
japanischen Inseln, Hokkaido, herrscht daher monatelang
eisiger Winter. Hier hat sich ein Tier angesiedelt,
das man in der Kälte nicht erwartet. Und das japanische Künstler
immer wieder inspiriert: Der Kranich, ein Symbol
für Glück und Langlebigkeit. Die Tänze dienen nicht nur zur Balz, sondern stärken auch die lebenslange
Bindung zwischen den Partnern. Die Mandschurenkraniche
wären fast ausgestorben. Der Winter 1951/52 war extrem kalt. Die Nahrung wurde knapp. Damals überlebten nur 33 Tiere. Ihre Rettung haben sie den Bauern
von Hokkaido zu verdanken. Damals begannen die Menschen, die ausgehungerten Tiere
im Winter zu füttern. Seither ist die Winterfütterung
ein festes Ritual. Die Versammlung der Kraniche
lockt Füchse an. Und Adler. Aber die ungebetenen Gäste haben es
nicht auf die Kraniche abgesehen. Fast 1500 Exemplare leben heute
wieder auf Hokkaido. Als stark gefährdet
gelten sie aber weiterhin. Die Kuroshio-Strömung, die im Norden
die “Schneemaschine” antreibt, erschafft im Süden eine komplett
gegenteilige Seite Japans: Karibisch anmutende Strände
und üppig grüne Inseln. Nur die wenigsten von ihnen
sind bewohnt. Raum für Tier-
und Pflanzenparadiese. Durch ihre Abgeschiedenheit
ist jede Insel einzigartig. Und noch vieles ist unerforscht. Auf Yakushima haben Forscher erst
vor wenigen Jahren unter dem dichten Blätterdach der Insel eine besondere
Lebensgemeinschaft entdeckt. “Der kleine Kerl, der hier gerade
an mir vorbeiläuft, das ist ein Japan-Makake. Diese Affen hier, die leben in einer
sehr außergewöhnlichen Beziehung mit Sika-Hirschen, die es ebenfalls
hier im Wald gibt. Wenn die beiden Arten
aufeinandertreffen, dann passiert manchmal
etwas ganz außergewöhnliches.” * spannungsvolle Musik * Warum diese beiden Tierspezies
so eng zusammenleben ist für Forscher noch ein Rätsel. Einige vermuten, männliche Affen
würden sich so sexuell stimulieren. Doch warum die Rehe das oft dulden
ist noch unklar. Denkbar, dass sie
Früchte und Eicheln lieben, die unerreichbar für sie
in den Bäumen hängen. Fällt Affen gelegentlich
etwas runter, sind das für die Rehe
willkommene Leckerbissen. Bisher sind Forscher
noch auf Mutmaßungen angewiesen. Noch gibt das kuriose Verhalten
Rätsel auf. Manch andere Lebensform, die sich
vielleicht nur hier entwickelt hat, schlummert auf den einsamen Inseln
womöglich bis heute im Verborgenen. Und nicht nur dort. Noch weiter südlich
sorgt die warme Strömung dafür, dass das Wasser
nie kälter als 20 Grad wird. Es herrschen ideale Bedingungen
für üppige Korallenriffe, die an die Karibik erinnern. * Musik * 1995 entdeckten Taucher
vor der Insel Amami bizarre regelmäßige Strukturen
im Sand. Deren Entstehung haben Forscher erst
vor wenigen Jahren entschlüsselt. “Verrückt, oder? Das sieht aus
wie ein tibetanisches Mandala. Und dass man so was auf dem
Meeresboden im Süden Japans findet, das verdanken wir
diesem Kugelfisch da. Der gerade eine kleine Muschel
gebracht hat. Da baut er gerade,
sieht sehr lustig aus.” * Musik * “Die Künstler sind immer
die Kugelfischmännchen. Und die bauen diese aufwendige Sache
natürlich nur, um die Weibchen zu beeindrucken
und zur Paarung zu überreden. Kugelfischweibchen werden von
solchen geometrischen Figuren offenbar magisch angezogen. Und wenn das Männchen
dann noch geschickt zur Deko ein paar Muscheln
auf dem Boden platziert. Dann ist das für die Weibchen quasi eine unwiderstehliche
Attraktion.” Nach einer Woche ununterbrochener
Bauzeit ist es endlich soweit. Ein Weibchen inspiziert das Nest. Gefällt es ihr,
startet sie die Eiablage. Das kleinere Männchen hält das
Weibchen zur Befruchtung der Eier kurz mit einem Biss in die Wange
fest. * Musik * Nach wenigen Minuten verlässt
das Weibchen für immer das Nest. Das Design ist nicht nur Show, sondern soll die Brut auch
vor der Meeresströmung schützen. * Musik * Für kaum eine andere Nation ist das Meer so wichtig
für die Ernährung. Fischen ist eine alte Tradition. Aufgrund der mangelnden
landwirtschaftlichen Nutzflächen war es in vielen Gebieten
fast die einzige Nahrungsquelle. Bis heute verwenden japanische
Fischer Methoden, die zu Protesten Anlass geben. Und die für uns nur
schwer erträglich sind. * Musik * Mit Booten treiben sie Delfine
in eine flache Bucht. Dort beginnt dann
das große Schlachten. Mit Messern und Harpunen töten
die Fischer hunderte Delfine an einem Tag,
um ihr Fleisch zu verkaufen. “Schwer zu ertragen. Aber es gibt Menschen, die sich inzwischen gegen
diese alte Tradition stellen. Einer von ihnen ist Isumi Iishii,
ein Mann, der selbst jahrzehntelang
Delfine getötet hat. Ich treffe ihn
in einem kleinen Hafenrestaurant. Wie tötet man einen Delfin? Wie funktioniert das Töten
von Delfinen in der traditionellen
Fischereimethode? Den Delfinen wird bei lebendigem
Leib in den Hals geschnitten, damit das Blut komplett ausläuft. Dann wird er am Bauch aufgeschnitten
und in kleine Teile geteilt. Das ist wirklich ein Anblick,
den ich niemand zumuten möchte. Wir, die wir die Delfine
getötet haben, waren voller Blut
von oben bis unten. Iishii erzählt mir,
dass es früher in seinem Dorf keine andere Versorgung
mit Fleisch gab. Er hat in seinem Leben
mit seinen Kollegen Tausende Delfine getötet. Eines Tages konnte er es nicht mehr
ertragen. Er hat aufgehört. Und kämpft nun gegen die Delfinjagd. Dafür wurde er fast
aus seinem Dorf gejagt. Inzwischen ist die Delfinjagd
langsam rückläufig. Notwendig für die Nahrungsversorgung
sind Delfine schon lange nicht mehr. Dennoch werden immer noch
bis zu 3000 jährlich getötet.” Heute arbeiten manche Fischer
an neuen und schonenden Methoden, Nahrung aus dem Meer zu gewinnen. * Musik * Die warme Kuroshio-Strömung und die
flachen lichtdurchfluteten Bereiche vor der südlichsten japanischen
Präfektur Okinawa liefern besonders gute Bedingungen
für das Wachstum von Algen. “Seetang ist in der japanischen Küche
eine sehr beliebte Zutat. Und es soll ja auch gesund sein. Besonders diese Sorte hier,
die Muzuku heißt, ist bei Feinschmeckern
wirklich beliebt. Damit man bei der Ernte nicht nur
auf wildwachsendes Muzuku angewiesen ist, wird es seit etwa 30
Jahren landwirtschaftlich angebaut. Wie auf einem richtigen Bauernhof. Nur eben Unterwasser.
Und jetzt ist Erntezeit. Natürlich kann man hier unten nicht
mit einem Traktor zur Ernte fahren. Man braucht Boote und so einen
Hochdruck-Seetang-Sauger. Der schleudert dies Algen –
schwupp – hoch aufs Boot. Dann geht es in den Hafen,
von da in den Frischemarkt. Dann können japanische Feinschmecker
ganz genussvoll ins Gras beißen.” Japan hat durch
seine Entstehungsgeschichte wenig Raum für Landwirtschaft. Und das hat die Menschen
erfinderisch gemacht. Die tektonischen Kräfte,
die das Inselreich einst schufen, sind bis heute
nicht zur Ruhe gekommen. Unter Japan stoßen vier
große Erdplatten aneinander. Schieben sich über- und untereinander
und verhaken sich. Lösen sich diese Spannungen,
entstehen Erdbeben. Kein anderes Industrieland ist so
stark erdbebengefährdet wie Japan. Allein in Tokio werden jedes Jahr
1000 Erdbeben registriert. 11. März 2011: Eines der stärksten
jemals gemessenen Beben mit einer Magnitude von 9,0
entsteht vor der Küste Japans. Es ist der Anfang
einer Dreifach-Katastrophe. Das Erdbeben löst eine Stoßwelle aus. De Folge: ein katastrophaler Tsunami,
bis zu 38 Meter hoch. 18.500 Menschen sterben, davon
bleiben mehr als 3000 vermisst. Die dritte Katastrophe bahnt sich an, als die Wassermassen das
Atomkraftwerk in Fukushima fluten. Es explodiert und verseucht die
Umgebung mit einer atomaren Wolke. Als sich das Wasser zurückzieht,
wird das Ausmaß deutlich. Vor Fukushima hatten die Japaner
eine gewisse Routine im Wiederaufbau
nach Naturkatastrophen. Diese Routine
funktioniert hier nicht. 150.000 Menschen
müssen ihre Heimat verlassen. In eine Sperrzone ist eine Rückkehr
aufgrund der Verstrahlung auf absehbare Zeit nicht möglich. Einzig die Natur
erobert sich das Gebiet zurück. Tokio blieb vom Fallout verschont. Trotzdem ist es
die gefährlichste Stadt der Welt, was Naturkatastrophen angeht. Durch technische Entwicklungen wollen die Japaner
den Gefahren jedoch trotzen. “Okay, dieser Eingang macht nicht
besonders viel her. Aber dahinter verbirgt sich eines
der ungewöhnlichsten Bauwerke von ganz Tokio.” * spannungsvolle Musik * “Schauen Sie sich mal
diese gewaltige Säulenhalle an. Sieht aus wie eine
unterirdische Kathedrale. Aber dieses Gebäude ist viel größer
als eine richtige Kirche. Denn dazu gehört auch noch ein
60 Kilometer langes Tunnelsystem. Fünf riesige Türme,
jeder ungefähr 70 Meter hoch. Und dann gibt es auch noch Pumpen,
die so stark sind, dass sie einen olympischen Pool
Innerhalb von wenige n Sekunden leersaugen können. Die ganze Anlage hat mehr
als zwei Mrd. Euro gekostet. Das ist das größte unterirdische
Flutwassersystem der Welt.” Immer wieder verhindert dieses System
extreme Überschwemmungen. Denn etwa 30 Mal im Jahr passiert
vor der Küste Japans folgendes: Gigantische Wirbelstürme entstehen. Mit Durchmessern
bis zu 1000 Kilometern. Ist das Wasser an der Oberfläche
über 26 Grad warm, verdunstet viel Feuchtigkeit. Die feuchte Luft steigt auf und
wird durch die Drehung der Erde zu einem gigantischen Wirbel geformt. Trifft er auf Land, kommt es
zu wolkenbruchartigen Regenfällen. An einem Tag fällt dann mehr
Niederschlag pro Quadratmeter als in Berlin in einem Jahr. An den angrenzenden Berghängen regnen sich die Wolken der Taifune
weiter ab. Das Wasser fließt in 100 Flüsse,
die allesamt Richtung Tokio strömen. Die unterirdische “Kathedrale”
des Flutwassersystems schützt die Metropole vor
noch extremeren Überflutungen. * Musik * “Taifune, Vulkane,
Schneemassen, Urwälder. Japan ist wirklich ein wildes Land. Vielleicht tendieren Japaner
deshalb auch dazu, die Natur umzubauen
und total zu kontrollieren. So wie hier, was für ein Gegensatz. Zwischen Hochhäusern, S- und
Autobahn ein paar Betonbecken. Vollgestopft
mit bedauernswerten Fischen. Die dann von gestressten
Großstädtern im Sekundentakt hier geangelt, dann aber auch
sofort wieder reingeworfen werden. Ich weiß ja nicht, wie’s Ihnen geht. Aber mir persönlich gefällt
das wilde Japan deutlich besser. Tschüs und bleiben Sie fasziniert.” Untertitel im Auftrag des ZDF,
2018

73 thoughts on “Faszination Erde – Japan | Ganze Folge Terra X mit Dirk Steffens

  1. Wir sind große Fans von den Sendungen ! Wunderschön! Vielen Dank dafür! Wir waren auch gerade in Japan und haben soo viel erlebt! Viele Grüße von unserem Kanal aus Italien ☺

  2. Naja ob ich Delphine verbluten lasse oder Schweine macht einen Unterschied weiiil? Viele Europäer auf dem Land tun das und das normale Schlachten is auch abartig. Fleisch essen erfordert nunmal das töten. Ob es ne Maus is oder ein Elefant sollte egal sein und das Aussehen des Tieres sowieso. Und 3000 Delphine gegen Milliarden Rinder 🤷‍♂️

  3. 14:59 also da musste ich wirklich lachen 😀 Schöne Songauswahl!
    Hoffentlich kann ich auch irgendwann mal nach Japan, mein absolutes Traumziel!

  4. Ich frage mich, wieso der Delfinfang so dramatisch dargestellt und thematisiert wurde, wenn die meisten Menschen Fleisch essen?
    Ist ein Delfin mehr wert als eine Kuh?
    Wenigstens leben die Delfine größenteils im freien Wasser und nicht so grausam wie in der Viehzucht, wo viele Tiere so verachtend und bestialisch gehalten werden.
    Kann gar nicht verstehen, wie manche Amerikaner oder andere nach Japan gehen und gegen Walfang und Delfinfang protestieren, wenn in ihren eigenen Ländern bei vielen Viehzüchtern die Hölle abgeht. Da sollte man sich doch erstmal einmischen.

  5. Japan hat seine schöne Natur, viel Kultur und Moderne, leckeres Essen. Da will man glatt hinziehen. Es wäre ja fast das Paradies, wenn da nicht die "Gefahr", das "Risiko" wäre. Überflutung, Erdbeben etc.
    Ich will gar nicht wissen, was hier in Deutschland los ist, sollte es hier mal nen Erdbeben geben, der für Japan noch normal ist. Die schütteln nur die Köpfe über uns.

  6. Danke Steffens und Konsorten für die sehr interessanten Dokus.
    Japan ist wirklich ein vielfältiges Land.
    https://youtu.be/t-cU8ryqe3k
    Das mit den Delphinen können die Japaner lassen! :'(
    ImAngedenken.ch

  7. Gäb es kein manga wäre es comic. Wo soll da DER Unterschied sein. Was soll die bescheuerte "Musik" bei 15:40?

  8. 3:56 das stimmt so nicht ganz. Sie schubsen, aber nett und langsam xD Ich wohne hier
    ZZZZAAAKUUUURA aha okay… nicht Sakura.
    Wieso verbeugt er sich andauernd mit gefalteten Händen. Das ist nicht Indien. Hier reicht ein normales Verbeugen vollkommen aus.
    Außerdem verbeugen sie sich auch nicht IMMER

  9. Mein absolutes Traumziel, ich hoffe eines Tages, dass ich auch mal in dieses wunderbare Land reisen kann 🙂 <3

  10. So, those "Nature loving" German crew think killing dolphins is unacceptable, and tearing sakura blossoms down with their own hands (8:30) is totally acceptable, right? Great attitude indeed. FYI, those behavior could technically be crime as "Property damage", and lots of popular sakura venue are suffered from those ill-mannered tourists.

  11. Japan wird immer gut dargestellt , aber leider arbeiten sich die Leute dort zu Tode. Kuschiro bedeutet ja sich zu Tode arbeiten.

  12. Wieder Unwahrheiten zu Fukushima – ideologische Verblendung – schade bei einem sonst sehr gut gemachten Beitrag!

  13. und mir gefällt japan besser als dirk steffens und die arro ignoganz mit der diese kultur im kolonialherrenstil belächelt wird.stumpf ist trumpf

  14. Die beste Doku, welche ich je gesehen habe. Wahrscheinlich trägt die Liebe zu Japan dazu bei aber darüber hinaus habe ich selten eine Dokumentation gesehen, die so facettenreich, so neutral und schön war wie diese. Ihr habt geschafft das Große und Ganze in 42 Minuten zu verpacken ohne, dass man dachte, dass da noch was fehlt. So sehen Dokumentationen aus!
    Danke

  15. Das mit den Delphinen schlachten ist uns Europäern gar nicht so fremd. Fragt mal die Dänen. Sind keine Delfine da bei denen aber alles andere das selbe Schauspiel

  16. Die Samurai-Frisur und der Kimono, die an der Stelle der Geschichte herauskommen, sind völlig falsch.
    Zu dieser Zeit zogen Ausländer, die Japan besuchten, ihre Schuhe zu Hause nicht aus.
    Tische im westlichen Stil befanden sich bereits in Japan, und die Westler saßen nicht direkt vor japanischen Shogun und sein Lehnsimann auf dem Boden.

    Und bei der Boshin-Krieg Szene finde ich ganz komisch, weil damals diese Krieg-Helme und Rüstungen zu altmodische waren.
    Es wäre besser, wenn es in diesem Film keine Samurai-Teile gäbe.

  17. Moment, gleich mal was zu Anfang: Mononoke ist kein Fabelwesen, sie ist eigentlich ein Mensch, der von Wölfen großgezogen wurde! Außerdem ist sie keine Comicfigur, sondern Animefigur! (Soweit ich weiß gibt es keinen Manga davon!) Und auf der Seite des Guten… na ja, sie kämpft zwar für Natur und Tiere, aber ist recht radikal gegen Menschen. Das ändert sich erst am Ende des Films.

    Aber ansonsten richtig schöne Doku!^^

  18. Wäre an sich eine schöne Doku geworden aber diese ständige Abwertungen hätte sich terrax echt sparen können
    Genau das macht Japan nämlich aus das es nicht genauso ist wie wir egal ob wir dies als gut oder schlecht ansehen

  19. Japan ist für mich eine große Faszination! Hätte ich die möglichkeit würde ich mit meiner Freundin sofort dahin auswandern.

  20. 30.30 sowas is grauenhaft Delphine haben Gefühle und sie hören ihre kinder sterben grauenhaft bei sowas denke ich immer der mensch hat es nicht verdient zu leben bzw solche und als op es immer meer nicht andere fische gäbe

  21. 6:38 Unmittelbar hinter der Stadt erheben sich die Gipfel der "Japanischen Alpen". Nein, die nächsten Gipfel liegen in ca. 100 km Luftlinie.

  22. Ein sehr interessantes Land. Das neben einander von High Tech und absoluter Tradition ist einzigartig. Berichte und Reportagen sehe ich immer gerne nur besuchen möchte ich Japan nicht. Das Gedränge wäre mir zu viel. Und ich bin nicht Klaustrophobisch oder ein Mensch vom Lande.

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