Vom Winde verweht: Staub (NZZ Format 2009)
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James Dyson,
der moderne Staubsauger-Pionier. Feinstaub aus dem Braunkohlewerk
und gefährliche Dieselabgase. Kampf gegen Hausstaub
und Vorratsmilben. Verstaubte Kunst. Staub gelangt aus den verschiedensten
Quellen in die Atmosphäre. Staub begleitet die Menschheit
von Anfang an. Staub steht für Vergängliches
und für Entstehendes. Staub ist äusserst mobil
und ein wichtiger Umweltfaktor. Zum natürlichen Staub, der 90 %
des gesamten Staubs ausmacht,.. ..kommt der von Menschen
gemachte Staub dazu. Er setzt sich überall fest. Er beherbergt Kleinpartikel, die
bekanntlich teils gefährlich sind. Im Hausstaub finden sich
nicht nur die bekannten Milben,.. ..sondern z.B. auch Feinstaub
mit gefährlichen Risiko-Chemikalien. 100 Mio. Staubteilchen finden sich in
Wohnungen in einem Kubikmeter Luft. Malmesbury, ca. 2 Autostunden
westlich von London. Über 800 Mitarbeiter beschäftigen
sich am Hauptsitz der Firma Dyson.. ..mit der Beseitigung des Staubes. Seit der Gründung
des Unternehmens 1993.. ..hat man weltweit
über 30 Mio. Staubsauger verkauft. Dyson Staubsauger stehen für beides: ..für Funktionalität,
aber auch für Design. Der Unternehmer, Erfinder,
Ingenieur und Designer James Dyson.. ..ist heute einer der
reichsten Männer Grossbritanniens. Der Erfolg ist ihm nicht
in den Schoss gefallen. Hartnäckig und mit viel
Leidenschaft und Kreativität.. ..hat er die Staubsauger-
branche revolutioniert. Endgültig
vom Teppichklopfen befreit.. ..wurden die Frauen
nach dem 2. Weltkrieg. Kleinere, leichtere Staubsauger
kamen auf den Markt. Männer benutzten die Geräte zum
Auto-, aber auch zum Pferdeputzen. Die Zuwachsraten in der Branche
waren beträchtlich. In den frühen 60er Jahren.. ..verfügten schon 65 % der deutschen
Haushalte über einen Staubsauger. Sie alle
hatten einen Beutel als Staubfänger. Ich habe festgestellt,.. ..dass alle anderen Staubsauger
an Saugkraft verlieren. Je voller der Beutel wird, desto
ineffizienter wird der Staubsauger. Das hat mich als Benutzer gestört. Also habe ich ein System
mit Zyklonen entwickelt,.. ..das nicht an Saugkraft verliert,.. ..sondern konstant
eine maximale Saugkraft aufweist. Da es beim Staubsauger
um das Saugen geht, ist das wichtig. Das ist der Unterschied. Unser Staubsauger ist der einzige,
der nicht an Saugkraft verliert. Alle anderen Staubsager tun das. Es war das Laufen in seiner Jugend,
das ihn so stark gemacht hat. Davon ist James Dyson
bis heute überzeugt. Er studierte Ingenieur-
wissenschaften und Design.. ..und wollte schon immer
Erfinder werden. Sea Truck hiess das Wasserfahrzeug,.. ..das er 1969
für die britische Armee entwickelte. 2 Jahre tüftelte er
an der Hochgeschwindigkeitsbarkasse. Sie hatte
einen luftgefüllten Schiffsrumpf.. ..und erreichte
eine Geschwindigkeit von 40 Knoten. Die Ballbarrow,
die Ballschubkarre, erfand er 1974. Und der G-Force, sein allererster
Staubsauger, kam 1987 auf den Markt. Dysons Staubsauger funktionieren
mit der sog. Dual-Cyclon-Technologie. Zu Deutsch ist das ein sog.
Fliehkraft- oder Zyklonabscheider. Die Luft wird
mit hoher Geschwindigkeit.. ..in enger werdenden Kreisen
in Behältern herumgeführt. Dabei wandern die Schmutzteilchen.. ..durch die Zentrifugalkraft
an die Wand des Behälters. Heute gibt es auch andere Firmen,
welche Zyklon-Staubsauger herstellen. Aber James Dyson hat sie erfunden. Es hat etwa 5 Jahre gedauert und ich
habe über 5’000 Prototypen gebaut. Und wir haben das System
stetig weiterentwickelt,.. ..damit es noch effizienter wird. Im Jahr 2001
gab sich Queen Elisabeth die Ehre,.. ..die Dyson-Zentrale
in Malmesbury zu besuchen. Schon damals
wurden alle Staubsauger.. ..hier entwickelt, designt
und bis 2002 auch hergestellt. Heute produziert und testet man
in erster Linie in Malaysia. 100’000 Staubsauger
der verschiedensten Modelle.. ..werden hier pro Woche hergestellt. Innerhalb von nur 20 Jahren.. ..wurde Dyson zum weltweit erfolg-
reichsten Staubsauger-Produzenten. Sogar in den USA hat Dyson trotz
allen Widerständen eingeschlagen. Dyson ist beim Kampf gegen Staub
in Innenräumen heute die Nummer 1. Bei Dyson
pflegt man flache Hierarchien. Zusammenarbeit und freie Meinungs-
äusserung wird grossgeschrieben. Zwischen Ingenieuren und Designern
soll es keine sture Trennung geben. Denken über die Fachgrenzen hinweg,
Disziplin, Selbstsicherheit.. ..und ein ehrliche Interesse
an der Sache sind entscheidend,.. ..wenn man Erfolg haben will. Davon ist James Dyson überzeugt. Es braucht Entschlossenheit.
Man darf nicht aufgeben. Man darf sich nicht
abschrecken lassen durch das,.. ..was die Konkurrenz tut. Man muss
an die eigenen Ideen glauben. Ich bin nur am Produkt interessiert. Ich bin nicht an Marketing
oder Verkauf interessiert. Mich interessiert,
wie das Produkt funktioniert. Ich denke, das ist wichtig. Die Leute kaufen etwas,
weil es gut funktioniert. Sie kaufen nicht eine Marke
oder etwas Gestyltes. Sie wollen etwas, das funktioniert. Und darauf konzentriere ich mich. In den letzten Jahren
investierte man viel.. ..in die Entwicklung
kleinerer und leichterer Staubsauger. Daneben standen neuere, effizientere
Antriebe im Fokus des Interesses. Wir verbrachten
die letzten 10 Jahre damit,.. ..elektrische Motoren mit einer
neuen Technologie zu entwickeln. Wir wollen mit kleinen Motoren
eine grosse Wirkung erzielen. Wir entschieden uns für
einen geschalteten Reluktanzmotor. Altmodisch funktioniert ein Motor
mit Kohlebürsten und Kupferdrähten. Aber das ist eine sehr alte Methode,
um einen Motor anzutreiben. Unsere Konkurrenten
verwenden noch solche Motoren. Wir werden einen Chip verwenden. Dieser Chip hier
besorgt die Schaltung. Er kann 6’500 Mal
pro Sek. schalten. So können wir sehr schnell sein.. ..und eine Drehzahl von 100’000
Umdrehungen pro Min. erreichen. Im Labor in Malmesbury
wird geforscht,.. ..um in Zukunft vermehrt Modelle
für spezifische Kundschaft.. ..wie z.B. Allergiker
oder Hundehalter zu entwickeln. Um geeignete Staubsauger
zu konstruieren, muss man wissen,.. ..was bei welcher Teppichstruktur
noch im Teppich hängen bleibt. Auch kleinste Partikel
werden ausgezählt. Mit Staubsaugern beikommen
möchte man in Zukunft all dem,.. ..was im Hausstaub,
auf einem Sofa oder in einem Bett.. ..unter Umständen krank macht. Dabei hat man z.B… ..Nanopartikel von Schwermetallen
oder Hausstaubmilben im Visier. Es ist nicht einfach, bereits
ausgereifte Produkte zu verbessern. 300 Spezialisten
arbeiten bei Dyson täglich daran. In weniger als 2 Jahrzehnten.. ..schaffte man es an die Weltspitze
der Staubsaugerproduzenten. Das Schlimmste wäre, nun in einen
saturierten Stillstand zu verfallen. Als erster würde wohl James Dyson
selber dagegen Sturm laufen. Es braucht noch viel Forschung
und riesige Verbesserungen. Wir werden weiterhin versuchen,
noch effizientere Motoren zu bauen. Wir wollen, dass Staubsauger
noch effizienter werden,.. ..besser saugen
und weniger Strom verbrauchen. Wir wollen leichtere,
kleinere Staubsauger. Warum müssen sie gross sein? Ein
kleiner Staubsauger ist doch besser. Er braucht weniger Material
und ist leichter zu transportieren. Bei den Staubsaugern muss noch
viel geforscht und erfunden werden. Deshalb bleiben sie faszinierend. Anlass zu Besorgnis
gab in den letzten Jahrzehnten.. ..die Staubbelastung
durch Industrie und Kraftwerke. Allerdings sind
diese Staubfreisetzungen.. ..in den entwickelten Ländern in den
letzten Jahren stark zurückgegangen. Durch bessere Filtertechnologien,
aber auch durch Stilllegungen. Im Herzen des rheinischen Braunkohle-
reviers liegt der Tagebau Hambach. So viel Staub wie dieses
Dienstfahrzeug aufwirbelt,.. ..ist hier nur noch selten zu sehen. 40 Mio. t Braunkohle
werden hier jährlich gefördert. In Hambach kommen die grössten
Bagger der Welt zu Einsatz. Sie dringen vor zur Braunkohle,
die bis zu 450 m tief liegt. Je trockener es ist,
desto mehr Staub bildet sich. Gesundheitsgefährdender
Staub und Feinstaub.. ..sind hier
selbstverständlich ein Thema. Wir kennen das Staubproblem
schon seit Jahren Wir haben unsere Technik auf
die Staubbekämpfung ausgerichtet. Seit etwa 4 Jahren ist auch
Feinstaub EU-weit ein Begriff. Wir mussten erst einmal lernen,
den Feinstaub zu begreifen. Wir mussten wissen,
wo Feinstaub entsteht. Wir haben deshalb Helfer
von den Universitäten beigezogen,.. ..die uns geholfen haben,
Massnahmen zu entwickeln. Ob es insgesamt ökologisch
sinnvoll ist, Braunkohle abzubauen,.. ..darüber streiten sich
die Fachleute. Was die Massnahmen zur Reduktion
von Feinstaub-Emissionen angeht,.. ..so kann man hier in Hambach
sicherlich von einem Erfolg sprechen. Erste und wichtigste Massnahme
ist die Bewässerung. Sie erfolgt besonders intensiv dort,
wo Kohle oder Abraum gefördert wird. Zusätzlich werden die Transportbänder
an verschiedensten Stellen besprüht. Im Bereich des Kohlebunkers
sorgen Wassersprühnebel dafür,.. ..dass auch feinste Staubpartikel
gebunden werden. Auch die 2. wichtige Massnahme,
die Begrünung, ist sehr effizient. Insbesondere auch dort, wo erst
vor Kurzem Kohle abgetragen wurde. Freiliegende, austrocknende Flächen
neigen auch zu einer Entstaubung. Deswegen entwickelten wir gemeinsam
mit einer Firma ein Verfahren,.. ..mit dem wir sogar
die Kohle begrünen können. Die länger bestehenden Kohleflöze
werden systematisch überspannt. So werden sie grün. Und das
Wurzelwerk bindet dann den Staub. Die Begrünung wird ergänzt durch
Aufforstungen in jenen Gebieten,.. ..wo keine Kohle mehr gefördert wird. Mit diesen einfachen Massnahmen.. ..konnten die Feinstaubemissionen
hier um 25 % reduziert werden. Damit ist der Tagebau
allerdings immer noch zu ca. 20 %.. ..an den Feinstaub-Emisssionen
in dieser Gegend beteiligt. Beim Landesamt für Umwelt, Natur
und Verbraucherschutz in Essen.. ..fliessen Daten
von über 100 Messstationen zusammen. Hier muss Alarm geschlagen werden,.. ..wenn bestimmte Grenzwerte
überschritten werden. Die nanometerkleinen Partikel stellen
ein ernstes Gesundheitsrisiko dar. Sie können via Lunge
in die Blutbahn gelangen.. ..und Krankheiten
wie Krebs auslösen. Der Strassenverkehr
trägt in Industrieländern.. ..rund 30 % zu dem von Menschen
verursachten Feinstaub bei. Am stärksten beteiligt sind dabei die
Dieselfahrzeuge mit ihren Abgasen. An der Materialprüfungsanstalt EMPA
in Dübendorf bei Zürich.. ..beschäftigt man sich
seit Langem mit Dieselabgasen. Man will wissen,.. ..wie wirksam Partikelfilter
Feinstaub-Emissionen reduzieren. Gerade sind Proben von der Fach-
hochschule in Biel eingetroffen. Dort werden an
ein und demselben Dieselmotor.. ..verschiedene Filter-
systeme getestet,.. ..um zu wissen, wie viele
Nanopartikel sie zurückhalten. Dass Partikelfilter
sehr viel bringen können,.. ..ist auch für Laien
von freiem Auge ersichtlich. Z.B. wenn man
eine Abgasprobe ohne Filter.. ..mit einer Probe
mit Filter vergleicht. Wir haben heute verschiedene
Varianten dieser Technologie. Es gibt Filter, die 99,9 %
der Partikel zurückhalten können. Das ist eine Wirksamkeit, die 3-Weg-
Katalysatoren noch nicht haben. 99,9 % ist eigentlich sensationell. Allerdings ist Partikelfilter
nicht gleich Partikelfilter. Die Unterschiede
in der Effizienz sind gross. Nicht alle Filter
entfernen die gefährlichen,.. ..nanometerkleinen Russpartikel
aus dem Abgas gleich gut. Bei den chemisch-analytischen Tests
sieht man sehr schnell,.. ..welche Filter etwas taugen
und welche nicht. Durchwegs exzellente Resultate.. ..zeigen Proben
von sog. geschlossenen Filtern. Geschlossene Filter
sind im Innern besser aufgebaut.. ..als die wesentlich
ineffizienteren offenen Filter,.. ..die Partikel
in viel geringerem Masse beseitigen. Ein offener Filter entfernt Ihnen
10 bis 20 % der Partikelmasse. Ein geschlossener Filter
entfernt 99,9 %. Man kann sehr gute Filter einbauen. Aber man kann auch Filter einbauen,
die den Namen nicht verdienen. Mit dem Massenspektrometer sucht man
v.a. nach chemischen Substanzen,.. ..welche sich beim Verbrennungs-
prozess in den Filtern bilden. Eine happige Überraschung
erlebte man diesbezüglich.. ..bei den 3 ersten Proben,
die man 2001 prüfte. Sie zeigten im ersten Test
tolle Resultate. Dann aber kam
bei einem kupferhaltigen Filter.. ..Ungeheuerliches zu Tage. Alle 3 Filter haben diesen
ersten Test mit Bravour bestanden. Diese 99,9 % sind da nachgewiesen. Der kupferhaltige Filter
zeigte aber,.. ..dass man in so einem System
Dioxine produzieren kann. Es entstanden
polychlorierte Dibenzodioxine. In gewissen Filtern
entstehen also jene Stoffe,.. ..die bei dem Chemie-Unfall in
Seveso Berühmtheit erhalten haben. Die Dioxingefahr
ist inzwischen gebannt. In der Schweiz und in der EU sind
heute kupferhaltige Partikelfilter.. ..für LWK, PKW
und auch für Baumaschinen verboten. Im Staub finden sich auch Tiere. Erst seit 40 Jahren weiss man, dass
Hausstaubmilben Allergien auslösen. Sie leben mit Vorliebe
in Sofa und Betten. Rund 10 % der Bevölkerung
sind darauf allergisch. Viele kommen zu spät
in eine ärztliche Praxis. Erst dann, wenn Sie schon
an Asthma bronchiale leiden. Mit einer Lungenfunktions-
prüfung wird abgeklärt,.. ..wie stark die Atemwege
blockiert oder verengt sind. Manche Patienten haben die Anzeichen
einer Hausstaubmilbenallergie.. ..jahrelang nicht wahrgenommen. In der Regel beginnt
eine Hausstaubmilbenallergie.. ..in den oberen Atemwegen. Der Patient niest, die Nase läuft
und ist auch oft verstopft. Das sind die ersten Symptome
einer Hausstaubmilbenallergie,.. ..die sich typischerweise zu jeder
Jahreszeit bemerkbar machen kann. Im Laufe der Zeit kann
aus dem allergischen Schnupfen.. ..ein allergisches Asthma werden. Und diese Kombination
von Schnupfen und Asthma.. ..gehört zum Bild der allergischen
Erkrankung durch Hausstaubmilben. Mit der Rhinomanometrie.. ..ist eine sichere Funktions-
diagnostik der Nasenatmung möglich. Zudem unterzieht man die Patienten
in der Praxis von Horst Müsken.. ..bei Verdacht
auf Hausstaubmilbenallergie.. ..auch noch
einem nasalen Provokationstest. Arzthelferin:Normal weiteratmen! Nehmen Sie sich ein Tuch,
falls die Nase läuft. Abtupfen dürfen Sie. Man muss sicher sein, dass die
Allergie von den Hausstaubmilben,.. ..und nicht von einem
anderen Allergen stammt. Allergisch ist man dabei nicht
auf die Hausstaubmilben selber,.. ..sondern auf Bestandteile
im Kot dieser Tierchen,.. ..von denen es
verschiedenste Arten gibt. Sie kommen in 90 % der Haushalte vor. In einer Matratze findet man
durchschnittlich 120’000 Stück davon. Sie ernähren sich
von menschlichen Hautschuppen. Mit dem sog. Pricktest sieht man, auf
welche Allergene ein Mensch reagiert. Kommt es zu einer Hautreaktion,
so liegt meist eine Allergie vor. Hausstaubmilbenallergien kann man
seit 40 Jahren testen und behandeln. Inzwischen hat man viel gelernt. Man weiss mittlerweile,
wie die Patienten mithelfen können.. ..die allergieauslösenden Teilchen in
der eingeatmeten Luft zu reduzieren: ..z.B. mit milbenundurchlässigen
Matratzenüberzügen.. ..oder mit einem trockenen Wohnklima. Es gibt auch Medikamente,
die das Leiden lindern. In den letzten 40 Jahren
hat sich therapeutisch viel getan. Es gibt Kortison-Präparate,.. ..die wir im Bereich der Atemwege
lokal einsetzen können. Es gibt Nasensprays
und Pulver für die Bronchien. Es gab in den letzten Jahrzehnten
revolutionäre Entwicklungen,.. ..die uns die Behandlung von
allergischen Atemwegserkrankungen.. ..in erheblicher Weise erleichtern. In Barntrup bei Bielefeld
lebt der Landwirt Frank Wirtz. Seit 2 Jahren geht er nur noch.. ..mit seinem Atemschutzgerät
in die Getreidelagerhalle. Er ist froh, dass er seinen Beruf
überhaupt noch ausüben kann. Auch er leidet
an einer Stauballergie. Vor 3 Jahren
hatte er ein schlimmes Erlebnis. Auch er übersah die Warnsignale
und ging nicht rechtzeitig zum Arzt. Die Nase lief beim Saubermachen.
Daran hatte ich mich schon gewöhnt. Das war schon seit Jahren so. Daran gewöhnt man sich. Bis es dann eine Stufe weitergeht
und die Luft wegbleibt. Das ist schlimmer, als wenn man sich
mit dem Hammer auf den Finger haut. Da kriegt man schon Angst. Es sind sog. Vorratsmilben,
die Frank Wirtz zu schaffen machen. Man findet sie in den verschiedenen
Stäuben der Landwirtschaft. Vorratsmilbenallergien
werden immer häufiger. Noch weiss man wenig
über diese kleinen Tiere. Horst Müsken
versucht mit einem Experten-Team,.. ..Licht ins Dunkel zu bringen. Die erste wichtige Erkenntnis
unserer Arbeitsgruppe war,.. ..dass es in der Landwirtschaft.. ..über 40 verschiedene
Vorratsmilbenarten gibt. Wir konnten die Landwirte.. ..dann im Laufe der Jahre mit selbst
hergestellten Extrakten untersuchen. Wir machten z.B.
Antikörpermessungen im Blut. Dabei sahen wir, dass viele
der untersuchten Landwirte.. ..auf verschiedene
Vorratsmilben reagieren,.. ..also wirklich krank sind. Vorratsmilben finden sich
überall in der Landwirtschaft.. ..und haben
eine hohe Populationsdichte. Die Artenvielfalt ist gross. In einem Kuhstall finden sich durch-
schnittlich 10 Vorratsmilbenarten. Die bis heute wirksamste Massnahme
für allergische Landwirte.. ..ist das Atemschutzgerät. Dank des Gerätes
habe ich keine Probleme mehr. Ich arbeite nur noch mit dem Gerät. Ich setze es auf,
wenn ich in die Scheune gehe. Und seitdem
habe ich keine Probleme mehr. Bis vor Kurzem ging man davon aus,.. ..dass Vorratsmilben nur im land-
wirtschaftlichen Milieu vorkommen. Das ist nicht mehr ganz richtig. Immer mehr finden sich Vorratsmilben
nicht nur in den Stäuben der Ställe. Wie neuere Untersuchungen zeigen,.. ..sind die von Auge
unsichtbaren Tiere dabei,.. ..sich auch
in die Städte aufzumachen. Hier auf dem Land.. ..spielen sie schon heute eine grosse
Rolle bei den Atemwegserkrankungen. In stark belasteter Umgebung.. ..nimmt der Mensch 50 Mio. Staub-
partikel mit einem Atemzug ein. Schauen wir mal,
wie das Vlies aussieht. Nach einer Woche
schaut es dann in etwa so aus. Das staubt aber ordentlich. Auch im Kunsthaus Zürich ist man
mit Problemen von Staub konfrontiert. Allerdings nicht
mit gesundheitsschädigenden. Hanspeter Marty,
leitender Restaurator,.. ..sorgt hie und da persönlich dafür,
dass im Keller nichts verstaubt. Im Lager hat man keine Besucher.. ..und darum auch viel weniger Staub
als oben in den Ausstellungsräumen. Ab 5.30 Uhr in der Früh
wird hier entstaubt,.. ..was die Besucher am vorherigen Tag
hereingetragen haben. Im Sommer ist das weniger
als im Winter. Für die Werke von Katarina Fritsch.. ..gilt dieselbe Regel
wie im ganzen Haus. Nicht jedermann darf die Kunstwerke
vom Staub befreien. Das Entstauben der Kunst
ist den Restauratoren vorbehalten. Die Giacometti-Skulpturen
entstaubt man alle 2 – 3 Monate. Ein sensible, dem Objekt
angepasste Behandlung ist gefragt. Man kann nicht jede Oberfläche
gleich behandeln. Es muss immer
vorgängig besprochen werden,.. ..welche Flächen man mit was
behandeln und berühren kann. Jede Berührung ist eine Mechanik
und gibt einen gewissen Abrieb. Und um den
möglichst gering zu halten,.. ..nehmen wir hier
z.B. diesen Dachshaarpinsel,.. ..um diese Skulpturen
hier abzustauben. Eine Klimaanlage mit eingebauten
Filtern sorgt im ganzen Haus dafür,.. ..dass die Kunstwerke nicht
noch zusätzlich belastet werden. Es stellt sich
auch oft die Frage,.. ..ob ein Bild
hinter Glas kommen soll oder nicht. Denn teils zeigen
die Farbapplikationen Erhöhungen,.. ..wo Staub hängen bleiben könnte. Bei der Gotthardpost
diskutierte man lange.. ..und entschied sich dann für Glas. Es gab diverse Argumente,
die dafür sprachen,.. ..das Gemälde von Rudolf Koller
zu verglasen. Es ist einerseits ein Schutz. Aber das Bild hat auch gewisse
maltechnische Besonderheiten,.. ..die man mit diesem Glas
sehr gut schützen kann. Der Klimawechsel ist geringer. Und das hält
die ganzen Schichten stabiler. Trägt die Zauberkiste
von Hanspeter Marty nicht dazu bei,.. ..dass immer mehr Patina
aus dem Museum verschwindet,.. ..die doch gerade bei
älteren Kunstwerken gefragt ist? Das ist richtig. Aber das Alter
hilft der Patina sowieso. Man versucht hier, die mechanische
Berührung von diesen Goldflächen.. ..so gering
wie möglich zu halten. Man macht so viel wie nötig
und so wenig wie möglich. Diese höchsten Flächen
werden am wenigsten gereinigt. Und hier
wird am häufigsten gereinigt. Hier sind bereits gewisse
Goldabreibungen vorhanden,.. ..bedingt durch die Mechanik
und durch falsches Reinigen. Denn manchmal
meinen es die Putzleute zu gut.. ..und fahren
mit dem feuchten Lappen darüber. Das ist Gift für ein Glanzgold. Moderne Werke
wie dieses von Georg Baselitz,.. ..sind für Restauratoren
besonders heikel. Natürlich setzt sich auch
auf diesen modernen Werken Staub ab. Aber man getraut sich nicht
so schnell, Hand anzulegen. Hier hat Sigmar Polke so etwas
wie gelben Staub aufgetragen. Solche Kunstwerke will man
möglichst gar nicht touchieren. Bei diesen monochromen,
extrem matten Flächen.. ..führt jede Mechanik
zu irgendeiner Wischspur. Und das ist unter Umständen
viel störender als jeder Staub,.. ..der sich auf dieser hängenden
Fläche niederlassen würde. Man versucht deshalb, den Staub
mit Luft ein wenig zu entfernen. In so einem Fall
darf man nichts machen. Solche Flächen sind tabu. Wie viel Staub
soll man in Museen entfernen? Soll man Kunstwerke überhaupt
vor dem Alterungsprozess schützen? Oder soll man den Staub
nicht besser einfach liegen lassen? Staub steht für Vergänglichkeit,
aber auch für Entstehendes. Staub ist der Anfang von allem,
aber auch das Ende. Sie sahen: Vom Winde verweht: Staub.

One thought on “Vom Winde verweht: Staub (NZZ Format 2009)

  1. Ab und an blitzt ein roter Bildschirm auf. Nervt extrem. Würden mich mal interessieren ob uns da etwas vermittelt wird (subliminale Botschaften) oder es nur ein Grafikfehler ist.

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